Mark Perry - Unvergessliche Tierschicksale
Selina Rameder - Filiale Kärntner Straße

„Jöö!“, dachte ich mir, als ich dieses Buch in Händen hielt, „bewegende Geschichten über gerettete Tiere! Das lässt das Herz eines jeden Tierliebhabers höher schlagen!“
Zumindest so lange, bis ich in das erste Tierschicksal hineinlas und das Buch mit vor Unmut verzerrtem Gesicht sinken ließ.
Was sich die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hier geleistet hat, kann ich nur als „Bildband mit etwas Werbung und ohne literarischen Inhalt“ beschreiben.
Das beginnt schon einmal damit, dass es keine richtigen Geschichten sind, sondern ein bis zwei Seiten kurze Erzählungen inklusive Steckbrief, die ungefähr so ablaufen: Das Tier fristet ein bedauerliches Dasein, dann erscheint der weiße Ritter in Form eines Vier-Pfoten-Aktivisten, rettet das Tier, und fortan lebt es glücklich und zufrieden auf saftigen Wiesen mit glitzernden Teichen. Dass der Verfasser sich dazu entschieden hat, zum Teil aus der Sicht des armen Tieres zu schreiben, macht die Sache nur noch schlimmer. „Warum haben mir die Menschen das nur angetan?“, denkt sich das kleine Fohlen und wird im Off darüber belehrt, dass es nicht wissen kann, dass manche Menschen einfach böse sind.
Ein „Lesevergnügen für die ganze Familie“ darf man als „für kleine Kinder geeignet“ interpretieren, denn mehr gibt dieser Text schlichtweg nicht her.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich wirklich nichts gegen Vier Pfoten habe, und sie großartige Arbeit im Tierschutz leisten! Doch als Buchhändlerin kann ich dieses Buch nur empfehlen, wenn man Vier Pfoten unbedingt eine Spende zukommen lassen möchte und sich dafür einen netten Bildband ins Regal stellen kann. Aber nicht als Lektüre.

Mark Perry - Unvergessliche Tierschicksale
Braumüller; € 25.-
René Freund - Liebe unter Fischen
Martina Wallner - Filiale Graben

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Und wer, wie ich, diesem ersten Eindruck folgt und sofort die, vom Verlag durchaus beabsichtigte, Assoziation hat: „Ah, schreibt wie der – eh’ schon wissen“, der wird bitter enttäuscht. Denn so wie zwei zarte Sonnenstrahlen noch keinen Frühling machen, verspricht auch der verheißungsvoll himmelblau gestaltete Umschlag noch keine wolkenfreie Lektüre.

Die klischeebehaftete Geschichte schildert die Rückkehr des ins Burnout abgedrifteten Lyrikers Fred Firneis (allein der Name hätte Warnung genug sein sollen…) ins normale Leben. Dieses ist schön, unbeschwert und wird ihm nicht zuletzt durch seine Verlegerin schmackhaft gemacht, die ihr bestes Pferd im Stall wieder glücklich sehen möchte und dabei nichts unversucht lässt.
So weit, so schlecht.

Was danach folgt, ist an Vorhersehbarkeit nicht zu überbieten. Auch ohne Nostradamus zu sein, ist jede neue Wendung schon Seiten vorher zu prophezeien und es kommt, wie befürchtet…
Auch die Erkenntnis, dass Sex schon sehr gut sein muss, um mit Jodeln mithalten zu können, hilft da nicht weiter.


René Freund - Liebe unter Fischen
Deuticke; € 18,40
Y-Titty – Nicht-Buch
Jonas Kraushaar - Filiale Schönbrunner Straße

Die jungen Leute sollen doch was machen, ist doch gut dass die ihren eigenen Humor haben, Fäkalwitze gehen halt immer, Sarkasmus ist so spitze und überhaupt…diese Möglichkeiten durch das Internet! Toll!
Nein. Y-Titty, ein aus 3 totaaaaal unterschiedlichen Typen zusammen gewürfeltes Freundestrio welches durch YouTube usw. spukt, sind nicht witzig, ja nicht einmal frech oder anzüglich. Es ist nichts als ein riesiges langweiliges Stück Käse aus den ekligen Überresten des American Scary Movie Pie. Früher wohl mal gern das Ybbs gelesen, mit 18 dann die Titanic in der Hand, nein, alles kein Grund zu meinen man habe ebenso eine Gabe fürs Komische oder Absurde. Popkulturelle Querverweise und Verdrehungen sind im Übermaß, wie im Fall Y-Titty(dieser Name!), nicht zu genießen. Wer kann außerdem heute noch über eine veräppelnde Foto-Love-Story, sarkastisch ausgefüllte Freundschaftsbücher und erfundene Partei-Wahlprogramme lachen? Die optimistische Stimme des Handels sagt dazu wohl eben ein Fanbuch…

Y-Titty – Nicht-Buch
Carlsen, € 10,30