Gelesen und bewertet von unserem Krimiexperten Andreas Specht, besser bekannt auch als der:
Stephen Dobyns - Das Fest der Schlangen
Fantastisch geht es in Stephen Dobyns’ “Das Fest der Schlangen” zu: in der Kleinstadt Brewster, Rhode Island, verschwindet ein neugeborenes Baby aus dem Spital und in dessen Bett findet man stattdessen eine Schlange. Ein Rätsel, das großes Medieninteresse hervorruft und für die Polizei kaum zu knacken scheint. Genauso rätselhaft ist die Tatsache, dass sich die Mutter des Kindes um dessen Verschwinden so gar nicht schert, sondern es, angelehnt an den Horrorfilm von Roman Polanski, sogar als “Rosemaries Baby” bezeichnet.
Hexen- und Satanskult spielen dann auch in den Ermittlungen eine große Rolle, ein Mann wird skalpiert, Kojoten streifen durch die Stadt und an Halloween soll die Geschichte ihren Höhepunkt finden……
Mit unheimlicher Liebe zum Detail führt Dobyns ein weites Spektrum an Personen ein, nur um so manche bald darauf wieder unsanft dahinscheiden zu lassen, gleichzeitig bricht auch die scheinbare Idylle der Kleinstadt immer mehr auseinander und am Ende wird Keiner mehr dem Anderen über den Weg trauen.

Stephen Dobyns - Das Fest der Schlangen
Bertelsmann; € 15,50
Wiley Cash - Fürchtet euch
Auf den Spuren des unten besprochenen Donald Ray Pollock wandelt Wiley Cash mit seinem Debütroman “Fürchtet euch”.
Ein selbsternannter Prediger schart in Marshall, einem einsamen Ort in den Bergen von North Carolina, eine eingeschworene Gemeinde um sich. Als eines Tages ein stummer 13- Jähriger bei einer angeblichen Heilungszeremonie ums Leben kommt und gegen den Kirchenmann ermittelt wird, beginnen sich die Abgründe innerhalb der Gemeinschaft aufzutun. Atmosphärisch sehr gut und mit interessantem Hintergrund , liest sich das Buch überraschend locker. Vielleicht die größte Kunst des Autors, dieses doch schwierige Thema rund um Kirche und Glauben spannend und unterhaltsam zu präsentieren.

Wiley Cash - Fürchtet euch
Fischer Taschenbuch; € 10,30
Donald Ray Pollock - Knockemstiff
Nach dem letztes Jahr erschienenen großartigen Roman “Das Handwerk des Teufels” liegt jetzt mit “Knockemstiff” das eigentliche Debütwerk des amerikanischen Autors Donald Ray Pollock in der deutschen Übersetzung auf.
Thema der 18 sich zum Teil überschneidenden Kurzgeschichten ist der titelgebende Ort Knockemstiff, gelegen in einer Senke in Ohio. Ein verfallender Ort, der für die wenigen Einwohner nichts Gutes bereithält - Drogen- und Medikamentenmissbrauch, Alkoholsucht und Gewalt stehen an der Tagesordnung. Was sonst bleibt den Protagonisten auch über in dieser kargen Welt, die außer Perspektivlosigkeit nichts zu bieten hat und in der die Kinder Brutalität und Skrupellosigkeit bereits von klein auf am eigenen Leib erfahren müssen und sich selbst dementsprechend entwickeln, nachdem aus finanziellen und psychischen Gründen der Absprung aus dieser Hölle kaum einem gelingen mag.
Ein Buch von teilweise erschreckender Intensität, aber hochinteressant zu lesen, wie der Autor, der selbst in diesen Verhältnissen aufgewachsen ist, das genaue Gegenteil des amerikanischen Traums beschreibt.

Donald Ray Pollock - Knockemstiff
Liebeskind; € 19,50
2 Krimis für Frankreich- Liebhaber
David Tanner - Die dunklen Wasser von Arcachon

In der Gegend rund um Arcachon und das Cap Ferret treffen 2 Welten aufeinander: einerseits die alteingesessen Fischer und Austernzüchter, andererseits die Schickimicki- und Politszene, die die Region für sich entdeckt hat und sowohl private als auch wirtschaftliche Interessen durchsetzen möchte.

Die Lage ist also angespannt und zum Drüberstreuen wird auch noch der französische Finanzminister tot aus dem Atlantik gefischt. “Le Monde”- Journalist Antoine Kirchner reist aus der Normandie nach Arcachon, um eine große Story für seine Zeitung zu liefern und kommt dabei nicht nur dem Mörder auf die Schliche, sondern enthüllt auch so manch pikantes Detail über das ausschweifende Leben der vor Ort versammelten Prominenz .
Ein nettes Buch von 190 Seiten über die Probleme, die entstehen, wenn Tradition und neue Wirtschaftsmodelle aufeinandertreffen, aber vor allem auch über das Meer, die Küstenbewohner und Kulinarik!

David Tanner - Die dunklen Wasser von Arcachon
Bastei Lübbe; € 9,30
Jean-Luc Bannalec - Bretonische Brandung

Nach dem Überraschungserfolg “Bretonische Verhältnisse” liegt jetzt der 2. Fall für Kommissar Dupin vor. Im Mittelpunkt stehen diesmal die der Küste von Concarneau vorgelagerten Glénan- Inseln. 3 Leichen wurden dort angespült und stören somit die scheinbare Idylle.
Etwas widerwillig nimmt Dupin die Bootsfahrt zu den Inseln in Angriff und findet einsame Sandstrände und türkisfarbenes Meer vor, das ihn beinahe in Urlaubsstimmung versetzt - beinahe, denn schließlich muss er sich ja noch um die Toten kümmern und im Laufe der Ermittlungen immer weiter eintauchen in die Geschichte der Inseln.

Die Krimihandlung an sich ist nicht besonders raffiniert gestrickt, vielmehr ist das Buch aber eine Liebeserklärung an die Bretagne und ihre besonderen Eigenheiten und macht große Lust auf einen Besuch der geradezu paradiesisch beschriebenen Glénan- Inseln, die bereits Hakan Nesser als Schauplatz für seinen Roman “Eine ganz andere Geschichte” gewählt hatte.

Jean-Luc Bannalec - Bretonische Brandung
Kiepenheuer & Wirtsch; € 15,50
Dan Brown - Inferno
Übersetzer, die abgeriegelt von der Außenwelt in einem Bunker unter größtem Zeitdruck ihre Arbeit verrichten, wochenlange Werbung in diversen Medien und schlussendlich schnell kleiner werdende Bücherstapel in (fast) allen Buchhandlungen - “der Neue Dan Brown” ist also endlich da!

Von Albträumen geplagt und mit einer Schussverletzung am Kopf, erwacht Robert Langdon in einem Krankenhaus in Florenz, ohne zu wissen, wie und warum er überhaupt nach Italien gekommen ist. Noch im Krankenbett liegend, wir sofort ein weiterer Mordversuch an ihm verübt, dieser wird allerdings von einer jungen Ärztin vereitelt, die von da an Langdon durch sein neuestes Abenteuer begleiten wird - die unvermeidliche neue Partnerin für ihn, im Gegenzug muss er aber feststellen, dass seine geliebte Mickey Mouse- Armbanduhr verschwunden ist……

Ein großer Stilist war Dan Brown ja noch nie, die ersten beiden Bücher aus der Langdon- Reihe, “Illuminati” und vor allem “Sakrileg” waren aber doch weitgehend spannend geschrieben.
Im Vergleich dazu ist der Einstieg in “Inferno” unheimlich mühsam, die ersten 100 Seiten eine Ansammlung von Wiederholungen und andauernden Einblicken in Langdons beinahe weinerliche Gedanken, alles natürlich im typischen leicht holprigen bis schwülstigen Stil. Die Auflösung am Ende ist wiedermal etwas enttäuschend, aber zumindest nicht ganz so lahm wie beim Vorgänger “Das verlorene Symbol”.
Dazwischen liegt die gewohnte Schnitzeljagd, wobei es sich diesmal hauptsächlich um Dantes “Inferno” bzw. die italienische Renaissance dreht und hier ergeben sich auch die mit Abstand interessantesten Aspekte des Buches, die Recherche bezüglich Kunstgeschichte ist also sicher nicht zu kurz gekommen. Leider wirkt das Alles aber nur wie eine Fassade und nicht als stimmiger Hintergrund für einen spannenden, gut durchdachten Plot.

Es ist auf keinen Fall zu erwarten, dass Dan Brown sein bewährtes Erfolgsrezept jemals aufgeben wird, zumindest eine Reduzierung der Stereotype und Weiterentwicklung seiner Hauptfigur Robert Langdon wäre aber doch mal interessant.
Ansonsten gilt: der Buchmarkt braucht noch viel mehr Dan Browns, die schreiben können, was sie wollen und auf jeden Fall tolle Verkaufszahlen erzielen!

Dan Brown - Inferno
Lübbe; € 26
Joe R. Lansdale - Dunkle Gewässer
Abenteuererzählung, Gangstergeschichte, Thriller, Milieustudie - einige literarische Gattungen, die der Autor Joe R. Lansdale in “Dunkle Gewässer” zu einem tollen Ganzen zusammenfügt:

Texas in den 30er Jahren - die 16 jährige May Lynn wollte eigentlich Schauspielerin werden. Stattdessen wird sie eines Tages ermordet im Sabine River aufgefunden. Dir mit ihr befreundeten Sue Ellen, Jinx und Terry sowie May Lynn’s Mutter brechen per Floß mit ihrer Asche nach Hollywood auf, den Ort, von dem sie immer geträumt hatte. Dabei werden sie allerdings von diversen “Hinterwäldlern” verfolgt, die an die Beute eines Banküberfalls herankommen wollen, die sich ebenfalls im Besitz der Reisegruppe befindet.

Es ist also eine tragische Geschichte, die am Anfang steht und diese Tragik zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch: es ist die Zeit der großen Depression, Grausamkeit, Bösartigkeit, Egoismus und Brutalität stehen unter den Bewohnern dieser abgelegenen Gegend am Fluss an der Tagesordnung, das Gute scheint hier kaum einen Platz zu haben. Der Autor schildert das in durchdringender, teilweise frecher Sprache und immer wieder blitzt schwarzer Humor auf, wodurch die harte Kost aufgelockert wird.

Neben gewissen Parallelen zu Mark Twain hat mich die Geschichte sehr an das ebenso großartige Buch “Das Handwerk des Teufels” von Donald Ray Pollock erinnert und auch Leser von Dan Woodrell können mit Joe R. Lansdale einen weiteren bemerkenswerten US- Autor entdecken.

Joe R. Lansdale - Dunkle Gewässer
Tropen; € 20,60
Herbert Dutzler - Letzte Bootsfahrt
Der 3. Fall für den Altausseer Dorfpolizisten Gasperlmaier!! Direkt vom Leichenschmaus nach dem Begräbnis einer Freundin seiner Mutter wird er zu einem Mordfall gerufen. Das verspricht zwar unangenehme Arbeit, zu seiner Freude aber auch ein Wiedersehen mit der Chefermittlerin Dr. Kohlross, die er inzwischen durchaus zu schätzen gelernt hat.

Unerwartete Probleme für Gasperlmaier tauchen auf, als sich herausstellt, dass seine Mutter in dem Fall eine größere Rolle spielt, als ihm lieb ist und er Seiten an ihr entdeckt, die er lieber nicht kennengelernt hätte. Ansonsten steht bei ihm wie immer die Sorge nach genügend Nahrungszufuhr im Vordergrund, wird er doch von Dr. Kohlross bei den Ermittlungen, bei denen allerlei skurrile Personen auftauchen, ziemlich auf Trab gehalten.

“Letzte Bootsfahrt” ist abermals eine amüsante Tour durch Altaussee und Umgebung, mit einiger Situationskomik, Authentizität und liebenswerten Protagonisten. Für alle Gasperlmaier- Fans sowieso ein Muss und wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn schön langsam kennen lernen……

Herbert Dutzler - Letzte Bootsfahrt
Haymon; € 12,95
John Niven - Das Gebot der Rache
John Niven, bekannt geworden mit “Kill Your Friends“, einer Abrechnung mit der Musikindustrie, widmet sich diesmal dem Thema Vergeltung: Donald Miller, ein ehemaliger Jugendstraftäter und von seiner Familie verstoßen, flieht vor seiner Vergangenheit aus Schottland nach Kanada und zieht dort das große Los: Heirat mit einer Frau aus reichem Haus, ein Sohn, ein tolles Anwesen, ein perfektes Leben.
Am Anfang des Romans wird diese vermeintliche Familienidylle der Millers geschildert, unterbrochen von Rückblenden, die von Donalds Leben als Jugendlicher in der schottischen Unterschicht erzählen. Das Unheil kündigt sich dann erstmals an, als der Hund der Familie grausam zugerichtet gefunden wird, die noch namenlose Bedrohung steigert sich immer mehr und das Blut wird in Strömen fließen…..

Das Buch ist in der Reihe “Heyne Hardcore” erschienen und demnach definitiv nichts für zart besaitete Leser, sondern vielmehr eine intensive Rachefantasie, die mit ihrem etwas überzogenem Showdown selbst Quentin Tarantino gefallen dürfte, denn schließlich gilt auch hier: “Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird” (Mario Puzo).

John Niven - Das Gebot der Rache
Heyne Hard Core; € 20,60

Simon X. Rost - Der Mann, der niemals schlief
Washington, April 1865: Präsident Abraham Lincoln wird im Theater vom Schauspieler John Wilkes Booth angeschossen und erliegt seinen Verletzungen. Tom Sawyer, ein angesehener Detektiv und mittlerweile in Diensten des Präsidenten, kann das Attentat nicht verhindern.
Von Selbstzweifeln und Schlaflosigkeit geplagt, erhält er wenig später die Einladung zur Hochzeit seines ungeliebten Halbbruders Sid und entschließt sich, erstmals seit knapp 10 Jahren wieder in seine Heimatstadt St.Petersburg zu reisen.
Dort angekommen, muss Tom bald noch weitere Genickschläge einstecken: ausgerechnet seine Jugendliebe Becky ist die Braut seines Bruders und außerdem wurde seine Tante Polly ermordet - unter Tatverdacht steht ausgerechnet sein alter Freund Huckleberry Finn……

Es mag hochgegriffen erscheinen, Mark Twains Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, absolute Klassiker der Abenteuerliteratur, in der heutigen Zeit noch einmal aufleben zu lassen. Es macht aber definitiv großen Spaß, wieder in diese Welt am Mississippi einzutauchen, die Kinder von damals sind Erwachsen geworden, aber neben vielen bekannten Namen lassen sich auch so manche Erinnerungen an Twains Bücher finden. Mit viel Liebe zum Detail, Humor und historisch interessantem Hintergrund (Sezessionskrieg, Sklaverei) hat der Autor Simon X. Rost einen spannenden Kriminal-Abenteuer- Roman geschrieben, der nicht nur Leser der alten Tom Sawyer- Geschichten begeistern wird.

Simon X. Rost - Der Mann, der niemals schlief
Lübbe; € 15,50

Manfred Baumann - Zauberflötenrache
Festspielzeit in Salzburg: alles ist gespannt auf den Auftritt von Anabella Todorova, dem Star der diesjährigen Opernpremiere - die Freude wird aber jäh gestoppt, als die Sängerin, gerade eine Arie aus der “Zauberflöte” trällernd, mitten auf der Bühne von einer Säule stürzt und stirbt……allerdings kein tragischer Unfall, sondern ein Giftanschlag, wie sich bald herausstellt.

Kommissar Martin Merana, als großer Opernfan natürlich selbst bei der Vorstellung anwesend, nimmt die Ermittlungen auf und kommt dabei so manchem Geheimnis hinter den Fassaden der Festspielstadt auf die Spur. Gleichzeitig gibt es Einiges zum Schmunzeln, z.B. wenn der Verkauf von Mozart-WC-Enten für Aufsehen sorgt oder wenn der Autor realistisch unbedarfte Facebook-Einträge in die Handlung einbaut.

Dass Manfred Baumann vom Fach ist, merkt man bei den Passagen, die die “Zauberflöte” in allen Facetten beleuchten und bei den Blicken hinter die Kulissen der Festspiele. Zusammen mit dem sympathischen Ermittler und der gediegenen Salzburger Atmosphäre, in der er sich bewegt, ergibt sich ein stimmiger Krimi durchaus auch für Leser, die ansonsten mit klassischer Musik nicht allzu viel am Hut haben.

Gmeiner; € 12,30
Mechtild Borrmann - Der Geiger
Moskau 1948: der berühmte Geiger Ilja Grenko wird nach einem Konzert wegen geplanter Landesflucht verhaftet, nachdem er einen Antrag für eine Auslandskonzertreise gestellt hatte. Er wird zu 20 Jahren Arbeitslager verurteilt, seine Familie nach Kasachstan ausgewiesen und auch seine wertvolle Stradivari wird beschlagnahmt.

München 2008: Iljas Enkel, Sascha Grenko, der mittlerweile gut situiert in Deutschland lebt, möchte sich mit seiner Schwester Vika treffen, die er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Stattdessen muss er aber mit ansehen, wie sie vor seinen Augen ermordet wird und Sascha macht sich auf die Suche nach den Hintergründen, bei der er wieder auf Hinweise auf die Stradivari seines Großvaters trifft.

In 3 verschiedenen Erzählsträngen (Ilja, seine Frau Galina, Sascha) wird die Familiengeschichte der Grenkos erzählt und vor allem die Kapitel aus der Stalin-Ära in Russland sind äußerst eindrückliche Schilderungen einer Zeit voller politischer Willkür und Unmenschlichkeit.
“Der Geiger” ist also kein klassischer Krimi, sondern mehr ein packendes Porträt einer auseinandergerissenen Familie, geschichtlich hochinteressant und spannend.

Dreomer Verlag; € 20,60

Georg Haderer - Engel und Dämonen
Jedes Mal nach Beendigung eines Buches von Georg Haderer denkt man sich “das wars jetzt, da kann er keinen mehr draufsetzen” und dann schafft er es im folgenden doch wieder, sich in punkto Originalität, Phantasie und Entwicklung eines überraschendes Plots selbst zu übertreffen.

So auch bei Band 4 der Major Schäfer-Reihe, der diesmal allerdings die meiste Zeit ohne seine ursprüngliche Hauptfigur auskommen muss: Schäfer ist verschwunden und in Wien muss sein Assistent Chefinspektor Bergmann in seine großen Fußstapfen treten - Morde, Unfälle, Selbstmorde, ein geplanter Bombenanschlag, all das muss bewältigt werden und über allem steht dabei die Suche nach Schäfer, die allerdings eher schleppend voranschreitet, bis die Recherchen doch noch zu einem obskuren, sektenartigen Geheimbund führen.
Mehr schlecht als recht unterstützt von seinem Team, wird der sonst so beherrschte und disziplinierte Bergmann an seine psychischen Grenzen getrieben und verfällt schließlich immer mehr in jene irrationale Verhaltensweise und Rastlosigkeit, die ansonsten seinem Chef Schäfer vorbehalten ist…..bis es nach einer Reise quer durch halb Österreich zum finalen Showdown kommt.

Neben der detailreichen und amüsanten Schilderung des harten Polizeialltags besticht der Autor wieder mit viel schwarzem Humor, einer völlig unvorhersehbaren Handlung und der gekonnten Weiterentwicklung der handelnden Personen - neben manchen interessanten Nebenfiguren eben der große Auftritt des bisherigen Assistenten, der aus dem Schatten seines Chefs tritt und damit auch schon die große Frage nach der Zukunft der Reihe aufwirft: die klassische Verteilung - Chef Schäfer, Assistent Bergmann - scheint nicht mehr möglich, wie geht es also weiter? Oder ist der 4.Band doch tatsächlich der große Schlusspunkt unter die beste österreichische Krimireihe der letzten Jahre?

Haymon; € 19,90
Christopher Brookmyre - Wer schlafende Hunde weckt
Im englischsprachigen Raum bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet und mit einer großen Fangemeinde hinter sich, liegt jetzt erstmals eine deutsche Übersetzung des schottischen Autors Christopher Brookmyre vor - endlich, könnte man sagen. “Wer schlafende Hunde weckt” ist die Geschichte einer jungen Möchtegern-Privatdetektivin und einer etwas desillusionierten Polizistin - die eine auf der Suche nach ihrem verschollenen Onkel, die andere auf Aufklärungsarbeit nach einem Mord an einem bekannten Mitglied der Glasgower Unterwelt.

Beide müssen sich dabei herumschlagen mit alteingesessenen Gangstern, korrupten Polizisten und so manchen Schatten der Vergangenheit. Äußerst amüsant und teilweise mitleiderregend sind die Versuche der 20-jährigen Detektivin Jasmine, sich in dieser Welt zurechtzufinden, wobei sie sich schlussendlich nicht ganz freiwillig auf die Hilfe eines geheimnisvollen ehemaligen Auftragskillers verlassen muss.

Daneben wird vor allem durch die Einblicke in die Arbeit der Polizei ein tolles, an manchen Stellen durchaus düsteres Bild der Stadt Glasgow gezeichnet - der coole Stil, die trockenen Dialoge und hintergründigen Personen runden das Buch zu einem wunderbar unterhaltenden Krimi ab.

Galiani; € 20,60
englischer Originaltitel: "Where the Bodies are Buried"
Cédric Bannel - Das Kabul Komplott
Ein Krimi höchster Klasse ist “Das Kabul Komplott” vom französischen Autor Cédric Bannel. Osama Kandar, Chef der Kabuler Mordkommission, untersucht den Tod eines dubiosen Geschäftsmannes, muss sich dabei allerdings gegen Widerstände aus der afghanischen Regierung durchsetzen, die selbst tief in den Fall verwickelt ist.
Ein 2. Handlungsstrang begleitet Nick Snee, den Mitarbeiter einer geheimnisvollen Schweizer Sicherheitsorganisation, die, weltweit operierend, auch mit dem Fall in Afghanistan in Berührung kommt. Dadurch entsteht ein hochaktueller Politkrimi, der neben Spannung auch ein ganz hervorragend recherchiertes Bild der Verhältnisse in Afghanistan zeichnet: ein zerrissenes Land, zwischen Taliban-Regime und ausländischen Interessen, mehr oder weniger immer noch im Kriegszustand. Korruption und Intrigen bis in die höchsten Kreise stehen an der Tagesordnung, während der Großteil der Bevölkerung in ärmlichsten Verhältnissen lebt und der Fundamentalismus wieder auflebt.
Ein tolles Buch, unbedingte Leseempfehlung.

Cédric Bannel - Das Kabul Komplott
Rütten & Loening; € 17,50
Veit Etzold - Final Cut
Dass unbedachte Einträge auf Facebook oder in diversen Internetforen unliebsame Konsequenzen nach sich ziehen können, ist mittlerweile bekannt. Doch damit, dass ein psychopathischer Serienkiller Social Networks nutzt, um seine Opfer virtuell am Leben zu halten, rechnet wohl niemand, nicht einmal die Polizei……und wer zweifelt schon am Wohlbefinden von jemandem, der fröhliche Mails oder Statusaktualisierungen auf Facebook schreibt?

Ohne erhobenen Zeigefinger richtet der Autor einen Blick auf die Auswüchse der modernen Kommunikationsgesellschaft, die der Täter dazu benutzt, ein perfides Katz- und Mausspiel mit den Ermittlern aufzuziehen. Die handelnden Personen sind zum Teil etwas stereotyp geraten, die rasante Handlung lässt aber nicht genug Zeit, sich darüber allzu große Gedanken zu machen. Wer spannende, blutige Details nicht aussparende Thriller mag, kommt hier voll auf seine Kosten.

Veit Etzold - Final Cut
Bastei Lübbe; € 9,30
Marco Malvaldi - Die Schnelligkeit der Schnecke
Vier rüstige Herren in den Siebzigern bzw. Achtzigern sitzen in ihrem Stammlokal, trinken, spielen Karten und diskutieren über Gott und die Welt. Und vor allem: gehen Barista Massimo furchtbar auf die Nerven. Nicht nur, dass er sich den ganzen Tag über ihre Kommentare anhören muss, besetzen sie auch noch den einzigen Tisch, an dem das neu eingeführte WLAN einwandfrei funktioniert.
Auch sonst hat es Massimo nicht leicht - seine Angestellte hat sich in den Kopf gesetzt, die Bar umzugestalten, ein Catering bei einem Kongress muss organisiert werden und dann stirbt bei ebenjener Veranstaltung auch noch ein japanischer Professor auf unnatürliche Art und Weise…..

Nachdem Japaner natürlich nicht Italienisch und noch schlechter Englisch sprechen als Italiener, gestalten sich die Vernehmungen der Mitarbeiter und Kollegen des Verstorbenen als recht kompliziert und Massimo, als löbliche Ausnahme des Englischen einwandfrei mächtig, wird vom zuständigen Kommissar auch noch als Übersetzer herangezogen. Was natürlich die vier Klatschweiber in der Bar erfreut, gieren sie doch schon nach den neuesten Informationen.

Der Mordfall selbst ist etwas an den Haaren herbeigezogen, das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch. Nach “Im Schatten der Pineta”, dem 1. Teil der Reihe um die 4 Alten und Barista Massimo, besticht auch die Fortsetzung wieder mit lockerem Schreibstil, witzigen Dialogen, liebenswerten Charakteren und jeder Menge an italienischem Lebensgefühl.

Marco Malvaldi - Die Schnelligkeit der Schnecke
Piper; € 9,30
Lisa Gallauner - Teufelssturz
Die herbstliche Langeweile von Chefinspektor Meierhofer und Gruppeninspektor Staudinger wird jäh unterbrochen, als eine Frauenleiche nahe der Burgruine Aggstein an der Donau entdeckt wird. Einen Felsen hinuntergestoßen und mit einem mysteriösen Symbol gezeichnet, gibt die Leiche einige Rätsel auf und bald wird klar, dass die Tote selbst eine nicht ganz so saubere Vergangenheit aufzuweisen hat.
Das Buch lebt in erster Linie vom Zusammenspiel zwischen den beiden Ermittlern - Meierhofer, ein gutmütiger Mittfünfziger, geplagt von einer von seiner Frau aufgezwungenen Diät und Stefano Staudinger, Halbitaliener und Cristiano Ronaldo-Lookalike, zanken sich teilweise wie ein altes Ehepaar, wodurch so manch witzige Dialoge entstehen. Die Aufklärungsarbeit der Beiden wirkt zum Teil etwas chaotisch und nicht wirklich zielführend und so sind sie doch auf den einen oder anderen Zufall angewiesen, um den Fall am Ende zu lösen.

“Teufelssturz” bietet auf knapp 200 Seiten ein originelles Ermittlerduo vor der idyllischen Kulisse der Wachau und damit gute Unterhaltung für 1-2 Tage.

Lisa Gallauner - Teufelssturz
Federfrei; € 11,90
Bernard Minier - Schwarzer Schmetterling
Schade....

Die Ausgangssituation war vielversprechend und versprach Spannung: die winterliche Abgeschiedenheit der Pyrenäen, eine psychiatrische Anstalt voller geistig abnormer Schwerverbrecher, darunter der gefährlichste Serienmörder Europas, eine bizarre Mordserie.
Aber leider - die Handlung dümpelt eher so vor sich hin, der angesprochene hochintelligente Serienmörder (hier spielt man wohl auf Hannibal Lecter an) bleibt die meiste Zeit so blass wie ein Gespenst und wirklich spannend wird es kaum einmal, da mögen die Akteure noch so oft “entsetzt” oder “wie erstarrt” sein.
Überhaupt scheint es so, als ob sich der Verlag auch bei der Übersetzung und dem Lektorat nicht allzu viel Mühe gegeben hat: unheimlich ungeschickt- holprige Passagen und Dialoge machen das Buch recht mühsam zu lesen und auch so manch Fall- bzw. Satzbaufehler hat sich eingeschlichen. Darüber hinaus lässt es sich der Autor außerdem nicht nehmen, den Leser an seiner doch recht antiquierten Sichtweise über Tattoos, Piercings und moderne Kommunikationsmittel teilhaben zu lassen, was zu der Annahme verleitet, er hätte anstatt eines Psychothrillers doch eher ein gesellschaftskritisches Sachbuch schreiben sollen.

Sollten Sie auf der Suche nach Spannungsliteratur aus Frankreich sein, dann greifen Sie doch lieber zum neuesten Roman der wahrscheinlich phantasievollsten aller KrimiautorInnen, Fred Vargas, die es wie immer schafft, mit feinem Humor und origineller Handlung eine ganz eigene, außergewöhnliche Atmosphäre aufzubauen.

Bernard Minier - Schwarzer Schmetterling
Droemer/Knaur; € 15,50
Hinweise, Anregungen, etc. - Fragen Sie den Krimispecht